Querbeet-Freizeitgruppe DAV Sektion Erlangen

 

Cumiana im Piemont

 Valle Stura und Alpi Marittime

2015

Piemont-Cumiana 2015 Sacra San Michele, Tatort Im Namen der Rose

Bereits zum dritten Mal war eine QB-Gruppe bei den Freunden des DAV Erlangen in Cumiana. Nach einer langen aber kurzweiligen Anfahrt erreichten wir das fr├Ąnkisch beflaggte Landhaus von Glady und Mario, die ein kleines, feines Bed&Breakfast betreiben. Man f├╝hlt sich sofort wie zu Hause, auch dank der vielen Fr├╝chte und Tiere im Garten.
Beim Tagesausflug ins nahe gelegene Turin w├Ąre uns dann doch beinahe der Papst ├╝ber die F├╝├če gefahren ;-)).  Gemeinsam gingen wir durch die Stadt bis hinauf auf den Monte Capuccini. Dort hat auch der italienische Alpenverein seinen Sitz und man hat einen herrlichen ├ťberblick ├╝ber die Gro├čstadt am Po. In zwei Gruppen machten wir uns am Nachmittag getrennt auf den Weg.
Unser erster Wandertag brachte uns dann unter kundiger F├╝hrung von Mario zum ber├╝hmten Kloster Sacra di San Michele. Auf der R├╝ckfahrt mussten wir nat├╝rlich einen Gelati-Stop einlegen. Mario kennt durch viele Radtouren alle guten Eisdielen im Umkreis von ├╝ber 100 Kilometer um Cumiana.
Das Valle Stura liegt ├╝ber 100 Kilometer s├╝dlich von Cumiana. Auf der Fahrt dorthin haben wir einen Abstecher zur Po-Quelle gemacht. In dem kleinen Ort Pontebernardo, dem Heimatort der italienischen Langlauflegende Stefania Belmondo, kamen wir in einer kleinen Herberge gut unter und das Essen im "Schwarzen Schaf" (italienisch: Pecora Nero) war hervorragend.
Von hier aus starteten wir zu einer F├╝nf-Tage-Tour rund um den Monte Tenibre in den italienischen und franz├Âsischen Seealpen - wir waren etwa 60 Kilometer n├Ârdlich von Nizza unterwegs. Rund um den Gebirgskamm gibt es viele alte Milit├Ąranlagen und -wege. So hatte uns Glady bei der Abfahrt noch erz├Ąhlt, dass ihr Gro├čvater im ersten Weltkrieg an dem Weg s├╝dlich des Colle Stau (der hei├čt wirklich so!) mitgebaut hat. Diese Weg brachte uns in den Colle Panieris und wenig sp├Ąter haben wir am Colle del Ferro die Grenze nach Frankreich ├╝berschritten. Der Weg hinunter zum Refuge de Vens, das im Nationalpark Mercantour liegt, war dann wieder etwas einfacher.
Die beiden franz├Âsischen H├╝tten unserer Tour sind sehr gegens├Ątzlich. Daher schweige ich an dieser Stelle ├╝ber das Refuge de Vens (zumindest die Verpflegung). Kurz vor dem Abendessen kommt dann ein kleiner Schock: Auf einem Aushang entdecke ich, dass unser Weiterweg f├╝r den morgigen Tag von der Polizei wegen Steinschlaggefahr gesperrt ist. R├╝ckfragen bei der H├╝ttenwirtin best├Ątigen, dass erhebliche Gefahr besteht. F├╝r uns bedeutet dies, dass wir am n├Ąchsten Tag etwa 800 H├Âhenmeter tiefer absteigen und dann nat├╝rlich wieder aufsteigen m├╝ssen. Eigentlich sollte der Weg nach kurzem Auf und Ab auf einer ehemaligen Trasse einer Druckrohrleitung eben dahin gehen. So haben wir statt 5 Stunden dann doch ├╝ber 10 Stunden (mit Pausen) bis zum Refuge de Rabuons ben├Âtigt. Hier wurden wir aber durch eine ├Ąu├čerst freundliche Aufnahme und ein sehr gutes Abendessen entsch├Ądigt.
In zwei Stunden sollten wir am Tag 3 unserer Runde auf dem Gipfel des Becco Alto d'Ischiator angelangt sein. Etwa 500 H├Âhenmeter lagen vor uns. F├╝r die oberen 300 H├Âhenmeter existierte allerdings kein Weg und auch Steinm├Ąnner waren nur sporadisch vorhanden. So stiegen wir weglos im steilen Gel├Ąnde m├╝hsam aufw├Ąrts und waren froh, als wir kurz nach 12 Uhr am Gipfel auf fast 3000 m angekommen waren (und wieder in Italien zur├╝ck waren). Auch der Abstiegsweg zum Passo Laris war anspruchsvoll. Eigentlich wollten wir uns hier mit Mario, Glady und Maurizio aus Cumiana treffen, aber wir waren so sp├Ąt dran, dass sie schon wieder auf dem R├╝ckweg waren. Fast 1000 H├Âhenmeter f├╝hrten uns dann hinunter zum Rifugio Migliorero. Zurecht wird diese H├╝tte als kleines schottisches Castle beschrieben. Auch hier fanden wir sehr herzliche Aufnahme.
Am vierten Tag hat sich die Gruppe in zwei Teile geteilt. Der kleinere Teil (mit mir) ging direkt hinunter nach Bagni di Vinadio. Die gro├če Gruppe ging ├╝ber den Sentiero Balcone, einem Aussichtsweg, wesentlich anspruchsvoller ├╝ber einen Bergkamm hinunter in den Ort. Im Quartier dort wurden wir schon erwartet - vom Bruder des H├╝ttenwirts des Rifugio Migliorero. An einer festlich geschm├╝ckten Tafel und sp├Ąter noch drau├čen vor der T├╝r lie├čen wir den Tag ausklingen.
1200 H├Âhenmeter auf und ab liegen am letzten Tag unserer ersten Rundtour zwischen dem Start und dem Ziel in Pietraporzio. Die ersten gut 1000 H├Âhenmeter schaffen wir in Rekordzeit von 2:45 Stunden. Ausgiebig machen wir auf der Wiese auf 2200 Metern H├Âhe Pause bevor es an den Abstieg geht. An einem klaren, munter dahin pl├Ątschernden Bach ruhen wir uns im Schatten an diesem hei├čen Tag nochmal aus.
Unsere zweite Wander-Runde f├╝hrt uns zuerst hinauf in das bis vor kurzem verlassene Bergdorf Ferrere auf etwa 1880 Metern H├Âhe. Vor etwa 10 Jahren hat man hier begonnen, den Ort St├╝ck f├╝r St├╝ck wieder aufzubauen. Das private Rifugio Becchi Rossi ist ein hervorragendes Quartier und wir freuen uns auf zwei Tage/Abendessen hier. Am zweiten Tag stiegen wir von hier in etwa 3 Stunden auf den Monte Enciastraia hinauf. Von hier aus hatten wir einen fantastischen Rundblick. Auf dem R├╝ckweg nach Ferrere legen wir uns dann erstmal in die Wiese. Hinunter ins Tal gehen wir am dritten Tag ├╝ber  den Beccho Rosso (auf deutsch: Rotschnabel), einem mit Milit├Ąranlagen unterh├Âhlten kleinen Gipfel.
Dir R├╝ckfahrt nach Cumiana nutzen wir zu einem Abstecher ins Valle Gesso nach Entracque. In gut einer Stunden steigen wir in die malerische Schlucht "Gorge della Reina" auf. In Cumiana nutzen wir das gute Ristorante "Lo Zodiaco" wenige Meter von Glady und Marios Haus entfernt zu einem ausf├╝hrlichen Abschlussessen. Der Abend klingt in einer Bar im Ortszentrum von Cumiana aus.
Die zwei Wochen waren leider wieder viel zu schnell vorbei. Wir kommen wieder!

Tourdaten: ca. 57 Stunden  138,4 Kilometer  ca. 8.500 Hm Aufstieg/ 9.000 Hm Abstieg [mehr]

 

Organisation und Bericht: Stefan L.  Bilder Peter B.